Hilfe für 11 Millionen Menschen: Gabriel bei Tschadsee-Konferenz in Oslo

27.02.2017

24.02.2017: Außenminister Gabriel auf der Pressekonferenz in Oslo. Bild vergrößern 24.02.2017: Außenminister Gabriel auf der Pressekonferenz in Oslo. (© photothek.net)

Es ist eine der größten humanitären Krisen der Gegenwart: In der Region um den Tschadsee leben Millionen vertriebene und geflüchtete Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Deutschland stellt 120 Millionen Euro an Hilfsgeldern bereit und hat am Freitag (24.02.) als Co-Gastgeber einer Geberkonferenz in Oslo weltweite Unterstützung mobilisiert.


Sie haben alles zurückgelassen: Ihre Dörfer wurden geplündert, Freunde und Familienmitglieder getötet oder verschleppt. Seit Jahren wütet im Nordosten Nigerias die Terrorgruppe Boko Haram. Millionen Menschen, viele davon schwer traumatisiert, sind vor der Gewalt in die Region um den Tschadsee geflohen. Doch die Gegend gehört zu den ärmsten des Kontinents. Für die Versorgung von Millionen Flüchtlingen gibt es dort keine Ressourcen. Es fehlen elementarste Versorgungsgüter: Nahrungsmittel, sauberes Wasser und medizinische Versorgung werden dringend benötigt. Doch über die humanitäre Katastrophe, die sich in der Region abzuspielen droht, wird hierzulande kaum berichtet.


Die schlimmste Not abwenden

Um der Krise zu begegnen und die schlimmste Not abzuwenden, ist eine internationale humanitäre Initiative nötig. Deutschland, Norwegen, Nigeria und die Vereinten Nationen haben darum in Oslo eine internationale Geberkonferenz einberufen. Gemeinsam mit seinen Außenministerkollegen hat Gabriel heute in Oslo ein Bündnis für mehr und besser abgestimmte humanitäre Hilfe in der Region geschmiedet.  In einer Beratungsgruppe werden sich Deutschland, Norwegen, Nigeria, Kamerun, Tschad und die Vereinten Nationen laufend abstimmen, um ihre Hilfsmaßnahmen aufeinander abzustimmen.


Deutschland stellt 120 Millionen Euro bereit

„Wir müssen gemeinsam handeln und wir müssen jetzt handeln“, sagt Gabriel in Oslo. Der deutsche Beitrag dafür steht seit heute fest: Deutschland wird über die nächsten drei Jahre 120 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in der Tschadsee-Region bereitstellen. Mit den auf der Konferenz in Oslo bereitgestellten Geldern soll die unmittelbare Not der Menschen vor Ort möglichst schnell gelindert werden. Nahrung, Wasser, aber auch Bildungsprogramme für Kinder und Jugendliche werden als humanitäre Sofortmaßnahmen eingeleitet.


Ursachen der Not bekämpfen

Doch es geht noch um mehr: Deutschland setzt sich dafür ein, die Wurzeln der Notsituation anzugehen. Um den Kreislauf der Gewalt im Nordosten Nigerias zu durchbrechen, sind Initiativen für Versöhnung und Zusammenhalt nötig. 20 Millionen Euro des deutschen Beitrags werden darum in Projekte zur Konfliktmediation und Deradikalisierung in der Region investiert. Damit sich die Lage auch langfristig stabil entwickelt, müssen die Menschen vor Ort in ihrer Eigenverantwortung für den Wiederaufbau gestärkt werden.

Das Auswärtige Amt hat seine Mittel für humanitäre Hilfe in den letzten Jahren vervielfacht und dabei auch die finanzielle Unterstützung für Afrika erhöht. Allein 2016 konnte das Auswärtige Amt den Umfang der Hilfsmaßnahmen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln und so rund 270 Millionen Euro für Hilfsprojekte in Afrika einsetzen. Zur Bewältigung humanitärer Krisen weltweit stellte das Auswärtige Amt 2016 mehr als 1,3 Milliarden Euro zur Verfügung.

Zum weiterlesen:

Humanitäre Hilfe in der Tschadsee-Region
Rede von Außenminister Gabriel bei der Konferenz zur humanitären Lage in Nigeria und der Tschadsee-Region

Stand 24.02.2017

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