Jordanien-Besuch: Anerkennung und Unterstützung für Aufnahme syrischer Flüchtlinge

24.04.2017

Sigmar Gabriel im Caritas Gemeinschaftszentrum für Flüchtlinge in Amman. Bild vergrößern Sigmar Gabriel im Caritas Gemeinschaftszentrum für Flüchtlinge in Amman. (© Thomas Trutschel/photothek.de ) Das Haschemitische Königreich Jordanien leistet bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus der Region Unvorstellbares. Die 6,5 Millionen Einwohner teilen sich ihr Land, das zu 80% aus Wüste besteht, mit rund 3 Millionen Geflüchteten und Gastarbeitern. Außenminister Gabriel besucht das Land am Sonntag (23.4.) mit einer deutlichen Botschaft: Die bemerkenswerten Leistungen der syrischen Nachbarländer werden nicht vergessen.

Zufluchtsort für Hilfsbedürftige

Nicht einmal 500 US-Dollar im Monat beträgt das jordanische Pro-Kopf-Einkommen. Dennoch hat das Land seit seiner Unabhängigkeit 1946 immer wieder hilfsbedürftige Menschen aus der Region bei sich aufgenommen. Schon seit 1947 ist Jordanien Aufnahmeland für palästinensische Flüchtlinge. Schätzungsweise 300.000 Iraker haben dort Schutz gefunden. Und im Rahmen des blutigen Konflikts im Nachbarland Syrien sind noch einmal bis zu 1,3 Millionen Flüchtlinge ins Land gekommen.


Bildung und Arbeit für Flüchtlinge

Das stellt das Land vor gewaltige Herausforderungen – und Deutschland steht bei der Bewältigung fest an der Seite Jordaniens. Das wurde nicht zuletzt auf der Londoner Geberkonferenz „Supporting Syria“ im Jahr 2016 deutlich, bei der Deutschland als Co-Gastgeber die größte Einzelzusage in Höhe von 2,3 Milliarden Euro abgegeben hatte. Auf dieser Konferenz wurde das Programm „Jordan Compact“ beschlossen, das syrischen Flüchtlingen in Jordanien Zugang zu Arbeitsmarkt und Bildung ermöglicht hat. Im Gegenzug erhält Jordanien internationale Unterstützung und Handelserleichterungen.


Bildung im Fokus

Besonders wichtig ist es aus deutscher Sicht, dass syrische Flüchtlinge in Jordanien Schulen und Universitäten besuchen können. Mit bisher 145 Millionen Euro gehört Deutschland zu den größten Gebern in diesem Bereich. Beispielsweise fördert das Auswärtige Amt an der Deutsch-Jordanischen Universität 90 Stipendien für Master-Studierende. Zu den Studiengängen gehört neben Computer-Ingenieurwissenschaft auch Sozialarbeit im Bereich Flucht und Migration.

Die 2005 eröffnete Deutsch-Jordanische Universität (German Jordanian University, GJU) zählt mittlerweile 4.400 Studierende an 9 Fakultäten in 26 Studiengängen. Das Curriculum dieser staatlichen jordanischen Universität orientiert sich am Modell deutscher Fachhochschulen. Kooperationen mit einem wachsenden Netzwerk von jordanischen und deutschen Unternehmen prägen Lehre und Forschung. Die Fachhochschule Magdeburg-Stendal ist seit 2005 federführende Projektpartnerin der GJU im Rahmen des DAAD-Programms "Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland". Alle Studierenden der GJU absolvieren im 4. Studienjahr ein Studiensemester an einer der über 80 deutschen Partnerhochschulen sowie ein obligatorisches Betriebspraktikum in Deutschland. Die GJU hat sich seit ihrer Gründung zu einer der führenden Universitäten des Landes entwickelt.

Außenminister Gabriel wird in der jordanischen Hauptstadt Amman ein Gemeinschaftszentrum für Flüchtlinge besuchen und politische Gespräche mit Premierminister Hani al-Mulki sowie mit Außenminister Ayman Safadi führen. Anschließend reist Gabriel weiter nach Israel.


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Stand 21.04.2017

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